
1974 feierte die Ortsvereinigung Hochheim am Main des Deutschen Roten Kreuzes ihr 75jähriges Bestehen. Nun, 21 Jahre später liegt die Festschrift zur 125-Jahr-Feier vor.
Der Grund für diesen Sprung von 50 Jahren in nur 21 Jahren liegt in den historischen Dokumenten, die dem Roten Kreuz Hochheim über sein Entstehen bekannt waren:
Mehr als 80 Jahre gingen die Hochheimer davon aus, daß mit der Gründung der Freiwilligen Sanitätskolonne im Jahre 1899 die humanitären Ideen des Rot-Kreuz-Gründers Henry Dunant sich in der Weinstadt auch als feste Verbindung niederschlugen. Der Schweizer Dunant hatte unter dem Eindruck der Schlacht von Solferino am 24. Juni 1859, als 40.000 Tote und Verwundete auf dem Schlachtfeld lagen, die Schrift >Eine Erinnerung an Solferino (1862)< verfaßt, in der er die Gründung von Hilfsgesellschaften in aller Welt anregte.
1864 wurde die erste Genfer Konvention verabschiedet, mit der dem Sanitätspersonal und den Verwundeten Schutz und Neutralität zuerkannt wurde. Als Zeichen diente und dient das rote Kreuz auf weißem Grund.
Die Leitgedanken des Roten Kreuzes fanden Anerkennung,
Vereine wurden gegründet, Mitglieder geworben, mit der Arbeit begonnen.
Auch Hochheimer waren in diesen Anfangszeiten bereits der Roten-Kreuz-Arbeit verbunden, wie geschichtliche Recherchen um 1980 ergaben: Schon 1870 stellten sich Hochheimer als Verein organisiert in den Dienst der verwundeten Nächsten, und zwar als Zweigverein im Kreis-Verein Wiesbaden.
Schon im September 1868 war vom Central-Comité des 1864 gegründeten und 1866 vom preußischen König bestätigten >Vereins zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger< die Aufforderung ergangen, Zweigvereine zu gründen oder zu festigen. Dieser Wunsch werde auch vom König und der Königin geteilt, hieß es aus Berlin unter Berufung auf ein Handschreiben König Wilhelms vom 15. Juli 1868, in dem es auszugsweise heißt:
...(spreche Ich) zugleich den Wunsch aus, daß es den fortgesetzten Bemühungen desselben (Anm. d. Red. des Central-Comités), unter der, wie ich nicht zweifle, überall gleich bereitwilligen Mitwirkung Meiner Behörden, recht bald gelingen möge, in allen Londestheilen die Bildung wohlgeeigneter Provinzial-, Kreis- und Localvereine zum Abschluß zu bringen, und damit volle Sicherheit für eine, der Aufgabe des Vereins gemäße Wirksamkeit während des Friedens und bei einem künftigen Kriege zu gewinnen.“
In einer Denkschrift vom 6. Juni 1868 hatte das Central-Comité auf die vorbereitenden Tätigkeiten in Friedenszeiten aufmerksam gemacht, so die Ausbildung von Krankenpflegern und -pflegerinnen für den Kriegsfall, im Frieden eingesetzt für die Armen- und Krankenpflege. oder die Vorbereitung von Reserve Lazaretten.
Am 19. Juli 1870 erklärte Frankreich Deutschland den Krieg. Wenige Tage später am Samstag. dem 23. Juli 1870, erschien im > Kreisblatt für den Landkreis Wiesbaden < folgende Bekanntmachung :
"Nachdem die Armee mobil gemacht wird um in den Krieg zu gehen, ist die Nothwendigkeit herangetreten, für den Landkreis Wiesbaden einen besondern Verein zur Pflege für im Felde verwundeter und erkrankter Krieger zu bilden.
Ich fordere daher sämtliche Einwohner des Kreises auf, beizutreten und bemerke, daß die Aemter sowie das unterzeichnete Landrathsamt sofort Anmeldungen entgegen nehmen.
Sobald sich der Verein und Vorstand constituirt hat, wird das Nähere bekannt gemacht werde.
Wiesbaden, 18 Juli 1870. Der Landrath. Rath."
Am 1. August 1870 folgte ein weiterer Aufruf:
"An die Herren Bürgermeister der Aemter Wiesbaden und Hochheim [...] Der in Num. 58 des Kreisblattes Seitens des Herrn Landraths bereits angekündigte Verein zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger für den Landkreis Wiesbaden wird demnächst in‘s Leben treten .Auch aus unserem Kreise ist eine große Anzahl von Männern und Jünglingen zu den Fahnen gerufen worden und haben daher die Kreiseingesessenen ein unmittelbares Interesse, eine rege Betheiligung an diesem Vereine hervorzurufen.(...)
Wiesbaden, Hochheim, 1. August 1870. Königliches Amt. rath. Hillebrand."
Die Bürgermeister sollten Mitglieder für den neuen Verein gewinnen. Auch von Lehrern erhofften die Initiatoren Unterstützung.
Die ,,Herren Geistlichen“ sollten ,,durch eine Anrede von der Kanzel die Gemeindeangehörigen auf die Wichtigkeit des Vereins aufmerksam machen.“
Noch ein zweiter Aufruf ist in dieser Kreisblatt-Ausgabe abgedruckt. Darin heißt es zu den Aufgaben:
"Der Verein hat den Zweck, die Mittel zur Pflege und zwar zunächst zur Pflege derjenigen Kranken und Verwundeten, welche in den hiesigen Kreis verbracht werden, aufzubringen."
Und weiter:
"Es ist Pflicht eines jeden Patrioten nach Kräften zur Heilung und Linderung der Wunden unserer braven Kämpfer welche im Begriffe stehen, für Recht und Unabhängigkeit ihr Leben einzusetzen, beizutragen.
Es wird daher erwartet, daß die Amtseingesessenen sich zahlreich diesem Vereine aschließen."
Im Kreisblatt vom 6- August 1870 wurde bekannt gemacht, daß die Generalversammlung zwecks Gründung des Kreis-Vereins am Sonntag. 7. des Monats. nachmittags 3Uhr im Saale des > Rheinischen Hofes < zu Biebrich stattfand. Mit Datum vom 8. August 1870 gab der Landrat die Gründung bekannt. Statuten wurden festgesetzt und der Vorstand gewählt. Im Statut des Kreis-Vereins zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger für den Landkreis Wiesbaden heißt es:
"Die in jedem Amte zu bildenden Zweigvereine haben ihren Sitz in Biebrich, Hochheim und Höchst.
Dieselben liefern die jährlichen Beiträge der ordentlichen Mitglieder an den Schatzmeister des Kreisvereins ab (...). Im Uebrigen verwalten die Amtsvereine innerhalb ihres Bezirks selbständig ihre inneren Angelegenheiten und erstatten bei Zusammnenberufung des Kreisvorstandes über ihre Wirksamkeit Bericht (...).
Die Amtsvereine constituiren sich selbständig, wählen einen aus einer von denselben zu bestimmenden Zahl von Mitgliedern bestehenden Vorstand und entwerfen ihre Statuten auf Grund des gegenwärtigen Kreisstatutes."
Die sechs Mitglieder für das Amt Hochheim waren:
So ist der 7. August 1870 als Gründungstag des Roten Kreuzes Hochheim anzu¬sehen.
Mit Datum vom 10. August 1870 folgte eine weitere Bekanntmachung zur Organisation der Zweigvereine. die jeweils einen eigenen Vorstand wählten.
Diese drei Vorstände bildeten unter dem Vorsitz des Landrats den Vorstand des Kreis-Vereins. Jedes Mitglied zahlte zehn Silbergroschen Beitrag. Gesammeltes Verbandsmaterial war in das Reservelazarett Bad Weilbach abzuliefern.
Am 14.August 1870 schließlich bestätigte das CentraI-Comité der deutschen Vereine zur Pflege im Felde verwundeter und erkrankter Krieger die Statuten des Kreis-Vereins.
15. Juni 2012
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Heinrich von Brentano Schule
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